Tuki

Wegen Kamera blusterte er/sie? sich auf..

Was für eine Freude. Welch Überraschung. Vollkommene Entschädigung. Erlebnis der Woche.

Ein stark geröteter Ausschlag am ganzen Oberkörper, eine heftige Erkältung und die Erinnerung an zwei asymptomatische Pneumonien bei Yaron veranlassten mich dazu die Ärztin zu konsultiern. Es folgte ein Corona Test. Zu blöd, denn die Regeln hier in Israel sind folgende; Sobald ein Testergebnis ausstehend ist, darf die Wohnung von keinem Familienmitglied mehr verlassen werden, es sei denn, diese eine betroffene Person macht Zimmerkarantäne. Je nach Testort sind die Resultate schnell bekannt. So etwa in Tel Aviv. Nicht aber in Jerusalem. Max. 72h Wartezeit wurde am Drive In Testort versprochen. So ging ich mit Yaron also nach Hause.

Unser geplantes Wochenende mit campen am Meer fiel ins Wasser. Anstelle Badekleider gabs legère Kleidung, anstelle Zelt, Meer und Freiheit durften wir einmal mehr unsere Wohnung bereisen. Balkonien bis Wctanien, Bettenhausen bis Stubongo und wieder zurück. Trotz wiederkehrenden Enttäuschungen zeigten sich unsere 4 Kleinen friedlich und sehr kreativ (im positiven Sinne). Alles in allem eine  gemütliche Atmosphäre. Doch für Pascal und mich stieg der Belastungspegel enorm an. Wir wollten niemandem von diesem Test erzählen, stets ist mit Hysterie zu rechnen. Also mussten Erklärungen für unsere Abwesenheit an Schule und Kindergarten gesucht werden die nicht gelogen waren und trotzdem nichts vom Test verrieten.

 

Zeit für aktuelle Portrait
Scheideggers in Bidut

Gott sei Dank waren wir für Freitag wegen dem Campingwochenende sowieso abgemeldet. 4volle Tage später (die Labor und Auswertungszentren für Corona arbeiten auch an Shabbat) und immer noch keine Information der Ärztin. Inzwischen waren Lehrerschaft und Kindergärtnerinnen doch informiert, jedoch nicht unser weiteres Umfeld. Unsere Kinder gesund und munter, der Ausschlag längst verschwunden. Dafür waren wir Dankbar. Unsere bewegungsliebende Rasselbande zeigte sich weiterhin von der tapferen Seite. Sie müdeten nicht, holten das Beste aus dem Tag mit viel Basteln und gemeinsames Spielen.

5.Tag, „les carrots son cuit“ sagt ein Französisches Sprichwort. Via Whatsapp entstaute sich unser Frust bei der Ärztin. Bemängelt wurde der fehlende Informationsfluss bis hin zur Fehlinformation bezüglich der zu vermutenden Wartezeit. Obwohl Frau Doktor alles in ihrer Macht stehende unternahm, waren unsere Resultate irgendwo. Auch ihr Mann, unser Familienarzt, meldete sich bei der Teststelle. Seine Position ermöglichte ihm, im Auswertungszentrum „Feuer unter dem Dach“zu entfachen. 

Grillen erlaubt...
Trotz Gitter ein Lächeln...

Der ganze Tag ein hin und her per Whatsapp. Meine niedergeschlagene Seele war satt von diesen Massnahmen. Satt von Streitereien mit meinem Mann wegen der aktuellen Isolation. Satt, etwas zu verheimlichen. Satt, sich in ein sinnloses Gesetzt pressen lassen zu müssen. In diesem schwierigen Moment wurde uns eine oben beschriebe Überraschung, Entschädigung, Freude oder eben ein einmaliges Erlebnis geschickt. Ich sage bewusst geschickt, denn ich habe vor einiger Zeit dafür gebetet, das nicht immer nur Krähen und Spatzen den Weg zu unserem Balkongeländer finden würden sondern auch mal ein Papagei.

 

Dieser Wunsch wurde mir mehr als erfüllt. Betrübt sass ich auf dem Balkon am Tisch, beschäftigt mit Nichtstun. Da landete, man glaubt es kaum, ein grüner Vogel. Jedoch nicht der hier in Israel angesiedelte grüne Papagei mit rotem Schnabel. Sein Kopf war grau, sein Rücken grün, geschmückt mit einem wunderbaren petrolfarbenen Untergefieder. Sein Wesen frech und neugierig. Pascal brachte schnell ein Schälchen Wasser, welches wir ihm vorsichtig hinstellten. Das arme Ding schien fast verdurstet zu sein. Ehe wir uns versahen flog er auch schon wieder davon. In die falsche Richtung.

Direkt durch die offene Balkontür. Lautes Gekreische von erschrockenen Kindern. Auf einem Storrenbalken fand der Grund des Schreckens Platz. Gute Situation. Beide Parteien betrachteten und beruhigten sich. Ein Bamba (Erdnussflips) sollte den Tuki (Papagei auf Hebräisch) wieder aus der Wohnung locken. Womit wir nicht gerechnet haben, er lässt sich füttern. Ohne Scheu. Nicht etwa streicheln, nein. Aber zurück auf dem Balkon machte er nicht den Eindruck uns verlassen zu wollen. Geduldig wartete er, bis Food serviert wurde. Glücklich aufgeregt versuchte Yaron unser Gast mit Gurke zu füttern. Ermutigt wollte Yahel auch probieren. Es folgte Yaira und Yinon. Der kleine Nimmersatt liess sich nicht irritieren und frass jedem aus der Hand. Verwirrt über diese Zutraulichkeit überlegten wir uns, ob es sich vielleicht um einen kleinen Ausreisser handelte?

Google gab Auskunft. Was sich hier auf dem Balkon verköstigen liess war ein Mönchssittich und gehört wegen seiner Schwanzlänge zur Papageienfamilie. Seine eigentliche Heimat ist Südamerika, seit einigen Jahren zählt aber auch Israel zu seiner Bleibe. Sein unerschrockenes Verhalten führte in andern Ländern bereits zu Problemen, so ein Artikel aus Google. Für uns ist es eine Willkommene Abwechslung und die Sicherheit, keinen Entflohenen zu beherbergen. Yinon, unser Kleinster, ist der grösste Tierliebhaber der Familie. Entsprechend unterhielt er sich mit dem scheinbar interessierten Gegenüber. Zwei Stunden später beglückte uns Herr Tuki immer noch mit seiner Gesellschaft. Sein Schnäbelchen an meiner frischen Wäsche sauber gemacht, hüpft er von hier nach da oder balanciert der Balkonstange entlang. Inzwischen war es Abend. Zeit um die Töpfe mit Pfefferminz, Chilli und Salbei zu tränken. Mein Kopf der Wand zugedreht konzentrierte ich mich auf das Füllen der Flasche, als ich von hinten attackiert wurde. Ein lauter Schrei entwich meinem Mund.

Pascal sprintete sofort herbei. Sorge unbegründet. Er lachte los. Auf meinem Schulterblatt, festgekrallt am Shirt, sass Tuki. Scheinbar war im wohl, mein Schrei interessierte ihn nicht. Natürlich mussten auch meine vier Schützlinge schauen, warum Ima so laut war. Ein paar Sekunden später verabschiedete er sich, in dem er seine Flügel ausbreitete und davon flog. Abschiedskuss gab es keinen. Aber unsere Seele war ermuntert und der Fokus umgelenkt von „mühsames absitzen“ zu „Tuki“.

Es war spät am Abend als wir Antwort von der forderster Front erhielten. Herr Doktor gab Auskunft. Yaron ist wie erwartet „negativ“ getestet worden. Somit gilt sofortige Auflösung des „Bidut“ (hebr. Isolation) und die Fortsetzung eines fast normalen Alltags.

Grund der Verzögerung; der Abstrich eines Ausländers gilt als wenig dringlich und wurde daher zur Auswertung vermutlich in die hinterste Reihe geschoben.