Pessach Reinigung

Reinigung für Pessach

Wer die jüdischen Festtage kennt weiss, dass Pessach noch in weiter Ferne liegt. Vorhergehend wird dazu die Wohnung aufs peinlichste genau von jedem Brotkrümmel und gefühlt von jedem Staubkorn befreit. Man nehme ein Kübel Wasser und schrubbe… 

Gestern war der Tag seit langem wieder einmal durchgeplant. Dessert und Znüni für den Geburtstag im Kindergarten, Wäsche, Aufräumen von vergangenem Geburi am Samstag… Es gab also viel zu tun. Nach zwei Blogeinträgen machte ich mich auf um in der Küche grosses zu vollbringen. Beim vorbeisausen eine kurze Berührung am Heizkörper – kalt. Schnell die Heizung wieder einstellen, die uns etwa alle 6 – 8h ausfällt. Ein Blick auf den Druck. Zuwenig Bar auf den Leitungen, den üblichen Handgriff (ich habe keine Ahnung wo das Wasser hingeht, irgendwo verlieren wir immer wieder Druck) am Hahn. Ganz sanft drehte ich ein wenig, hörte wie das Wasser rauschte, der Druck stieg, mochte wieder zudrehen da machte es… ZACK! Ein Wasserstrahl, gleich einer voll aufgedrehten Dusche, übernahm mir die Arbeit des Wasserschleppens mit Kübeln. Mit nichts war dieser Strahl zu bremsen oder anzuhalten. Ahnungslos wo der Haupthahn ist, war ich überfordert und sah nur noch Arche Noah…

 

Unter Adrenalin packte ich Yaira und Yinon, spurtete zu unseren beiden Nachbarn, Ben der „Baumann“ und Meiers “ der immer Neugierige“. Wild klopfte und hämmerte ich gegen die Türe, klingelte, vergass dass in Israel immer alles seine Zeit hat. Auch das Türe öffnen. Gelassen machte Ben als erster auf. Er; „What`s happen?“ ich; „Come, come, come…“ Gemütlich schloss er seine Türe mit den Worten; „Rega, ich komme gleich…“ Oben flutete es weiter. Inzwischen stand der Abstellraum und der erste Teil der Küche unter Wasser. Yinon und Yaira verfrachtete ich im noch trockenen und sicheren Kinderzimmer. Mit Tüchern, Decken, alles was mir saugfähiges in die Hände kam versuchte ich das Wasser einzudämmen. Nachdem Ben in aller Ruhe die gebrochene Leitung unter Augenschein genommen hatte und auch er zum Entschluss gekommen war, dass das Wasser sich nur per Haupthahn stoppen lässt, verliess er unsere Wohnung, drehte (wie ich im Nachhinein erfahren habe) draussen im Garten hinter dem Gebäude den Hahn zu. Inzwischen war auch Meiers aufgetaucht. Ob ich denn geklopft hätte? Die Frage durfte er sich selber beantworten. „Balagan, Balagan“ war alles was er noch zu sagen wusste, als er unsere Überschwemmung sah… Doch tatkräftig standen mir die beiden Herren zur Seite bis das Wasser weggewischt war. Auch ein Telefon mit unserem Vermieter übernahmen sie direkt selber, da er nur hebräisch sprechend ist. Kaum war die erste Aufregung vorbei meint Yaira lachend; “ Das möchte ich Papa sagen, das war Lustig…“ Naja, sicher Erlebnisreich.

Statt backen machte ich mich also an die Feinarbeit. Es war alles, aber auch wirklich alles nass. Im putzfieber vielen mir zwei Gläser auf den Boden. 1000 Splitter, Scherben, überall. Dummerweise stand der Staubsauger unter dem Wasserstrahl was bedeutet, dass er erst einmal Ferien macht um sauber auszutrocknen. Fein säuberlich versuchte ich also mit Schaufel und Besen alle kleinsten Glasstücke zu erwischen. Für heute gilt, alle tragen Schuhe. 

Um den Tag abzurunden hatte die Garderobestange das Bedürfnis den Fussboden zu küssen, Yaira freude daran den unbeobachteten Moment zu nutzen um die Reisnägel auszuleeren und Yaron die kreative Idee, verbotener Weise den Sirup mit aufs Zimmer zu nehmen und dort treffsicher über dem Bett auszukippen. 

Mein Mann staunte als er nach Hause kam. Zwar waren noch nicht alle Schäden behoben, doch die Stimmung gut. Denn was bleibt, wenn alles rundherum zerbricht? Die Einsicht darüber, Dankbar zu sein, was eben noch alles bleibt, für die Familie, die Gesundheit, die Freunde und ganz ehrlich… wer musste nicht lachen, als er oben stehende Zeilen gelesen hat?!

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