konsequenzen ausbaden

Konsequenzen Ausbaden

Bastelarbeit zu einer Geschichte

Kennt ihr diese Tage, die beginnen bereits am Morgen mit diesem „ich zieh mir die Decke über den Kopf – nach mir die Sintflut“ Gefühlen? Israels Konsequenzen um COVID 19 in Schach zu halten, waren/sind sehr streng, doch erfolgreich.  Für uns eine tränenreiche Zeit in der Isolation. Ein grosser Spielplatz inmitten unseres Quartiers lädt zum Verweilen ein. Nicht während der Isolationszeit. Unverständnis, ausgedrückt in Krokodilstränen, fragt sich unser Jüngster, warum ihm sein geliebter Ferrari verwehrt bleibt. Unsere Kinder sehen andere Kinder verbotenerweise im Park spielen. Sie dürfen sich nicht dazu gesellen. Aufgrund unseres erschwerten Visumsstatus und den strengen Patrouillen der Polizei möchten wir uns keine naiven Patzer erlauben. So sassen wir also 6 Wochen eng aufeinander. Wenig Spielraum um draussen auszutoben, keine Ausflüge, keine Treffen, kein Einkaufen (ausser Lebensmittel und Medikamente), keine Schule, kein Kindergarten, keine Freunde.

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Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen gaben sich alle Mühe aus einem 24h Tag einen 30h Tag zu gestalten. Hausaufgaben, Bastelarbeiten, Erklärungen, Sportübungen, Fotos von jeder Aktivität, kurz – liebevoll erarbeitete Vollzeitbeschäftigung für alle Beteiligten. Mein Upgrade; Lehrerin in Bereich Hebräisch, Rechnen, Handarbeit, Sport, Naturwissenschaft und Musik. Ganz ohne Ausbildung und Abschluss. Nicht mehr in meiner Kapazität lagen Wäsche, Aufräumen, Putzen und die Zeit für mich alleine. Während letzteres nicht so schlimm ist, nagte das sich gestaltende Durcheinander doch eher an meinen Nerven. 

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Yaron backte "Guetzli" zum Thema Fisch

Die ersten zwei Wochen waren voller Hingabe und Disziplin. Jede Aufgabe meisterten wir gemeinsam. Die dritte und vierte Woche genossen wir Ferien (leider nicht ohne Schulaufgaben). Dann kam die 5 und 6 Woche. Der erste Tag nach den Ferien. Ein Anschlag auf mein Mobiltelefon mit gefühlten 1000 Whatsapp. Alle galt es zu übersetzen, Hausaufgaben, denen ich zum Teil nicht gewachsen bin. Bastelarbeiten aus Materialien die uns nicht zu verfügung standen, weil wir keine Einkaufsmöglichkeiten hatten. Also die Suche nach Alternativen. Und schon wieder Sport, irgendwelche Kraftübungen die jene Muskeln brauchen die du gar nicht hast. Geschicklichkeitstest die du schon beim Zuschauen nicht bestehst. Zig Kurzviedeos auf Youtube, die Kinder waren genervt. Einfach spielen und sich bewegen dürfen wie es gerade gefällt wäre ihr Wunsch.

Da spüre ich ein seelischer Sturm aufkommen. Er ist schwer auszuhalten. In mir entstand ein Zwiekampf; Frau Schweizer sagt, diese Arbeit ist vollständig zu erledigen. Doch Frau Israel meint, nur das wirklich Wichtige. Das, was ihr einen reibungslosen Anschluss in der Schule nach COVID ermöglicht. Frau Schweizer ; „Das geht doch nicht. Mit Fotos und Feedbacks bin ich der Lehrerschaft Rechenschaft schuldig.“ Frau Israel; „Wen interessiert das schon? Denkst du, du erarbeitest dir einen Ehrenplatz?“ Frau Schweizer; „keinen Ehrenplatz. Aber ein gutes Vorbild.“ Frau Israel; „Na dann bis ein Vorbild und nimm dir Zeit für die Bedürfnisse deine Tochter.“

Turnen, Sport, Gymnastik
Büchsenparcour

Letzteres Argument punktet. Also gab ich Frau Schweizer einen Ruck. Einen ganzen freien Tag für und mit unserer Ältesten (6j). Ihre Wünsche zählen. Keine Aufgaben, kein Youtube. Doch ganz musste Frau Schweizer nicht einstecken. Ein Telefonat an die Lehrerin mit einer Entschuldigung, dass es einfach zu viel ist für Yahel und einen Tag ohne Tätigkeiten ein MUSS war, daher auch keine Fotos folgen würden. Die Antwort war wenig überraschend. „Ihr Lieben, ihr müsst doch nicht jede Aufgabe erledigen. Erledigt Hebräisch und Rechnen. Damit ist ein guter Anschluss garantiert. Alles andere ist Wahlweise.“

Frau Schweizer greift sich an den Kopf. Da schmerzt es am meisten. Wenn andere Lehrer sich hätten einmischen können, währen wohl nicht alle gleicher Meinung gewesen. Doch wie sagt meine innere Frau Israel? Wen interessiert das schon? Geula ist die Klassenlehrerin. Ihr Wort zählt.

Nicht weniger wurden die Ideen der einen Kindergärtnerin. Ein ganzes Arbeitsblatt, für jeden Tag ein anderes, sollte absolviert werden. Strukturierte Vorgaben, inkl. Zeiteinheiten sollten dem Kind eine Art Kindergartengefühl vermitteln. Vergessene Fakten; ich bin Mutter, keine Kindergärtnerin. Die hier Anwesenden nennen sich stolz Geschwister und nicht Kumpels. Yaron (5j.) möchte Kräftemessen, Fussball spielen und im Sandkasten herum tollen, Unsinn quatschen, seine Kindergärtnerin herzen… eben ein echter Kindergärtner sein. Auch da flossen viel Tränen. Tränen der Sehnsucht, tränen des Unverständnisses. Er mochte keine Bastelarbeiten mehr machen. Keine Zoom Meetings mehr abhalten. Woche 5 liess Frau Schweizer ihren Sohn grosszügig nur die Hälfte aller Aufgaben und Treffen absolvieren. Woche 6 trat Frau Israel in den Vordergrund. Fertig mit reizüberflutenden und unverständlichen Telefonaten am Computer. Schluss mit all diesen Beschäftigungstherapien. Er soll tun und lassen dürfen, wonach ihm ist. Vorgegebene Aufgaben wurden am Morgen jeweils besprochen. Doch alle Kinder lehnten ohne einzige Ausnahme ab. Spielen, spielen, spielen, Eis essen, verwöhnen lassen von Ima/Mami oder Abba/Papa. Herrlich kostbare Familienzeit.

Wörter "designet"
...und nochmals basteln

Seit dem 1. Mai sind alle zurück im Kindergarten und der Schule.

Es gilt ein Fazit zu ziehen; 

  • wie sind wir dankbar, blieben wir gesund
  • aus Ernst wird Humor (einige wirklich lustige Bilder, Cartoons, Filme sind in dieser Zeit entstanden.)
  • Essen entwickelte sich zur wichtigsten Beschäftigung, wichtigstes Nahrungsmittel; Schokolade
  • ausgewogene Kost ist uns sehr am Herzen, daher darf es auch gerne Schokolade mit Weinbeeren und Nüssen sein
  • Recycling ist das Non plus Ultra für spontane Bastelarbeiten
  • weniger ist mehr. Einige kaputte oder ungenutzte Spielsachen weg, dafür gab es mehr Platz zum spielen
  • Es sind die kleinen Dinge, die unsere Kinder glücklich machen. So gestalteten wir einen Überraschungsabend. Bei Kerzenschein, warmen Tee und in die Decke eingekuschelt sassen alle 4 auf dem Balkon und horchten meiner Geschichte
  • Berührungen sind Zentral und überlebenswichtig. Dem Staat sollte es verboten sein, zwei Meter abstand als obligatorisch zu verordnen
  • Chaos ist Ok, zuviel Chaos bringt innere und äussere Unruhe und ist somit nicht empfehlenswert
  • „Kein Bock“ Tage sind unter solch isolierten Bedingungen absolut zu erwarten, jedoch sollten nicht die Kinder diese miese Stimmung ausbaden. Mal eine „Kinderfreie Stunde“ gestalteten wir mit Filmen von Peter Alexander. 
  • Keine Ideen mehr für den Alltag? Frag deine äusserst kreative Tante. 
  • Mit allem was uns vorläufig genommen wurde, wurde mir klar, wie reich wir sind (s.Blog Gedanken)