karantäne

Bidud Zeit - Bastel Zeit

Karantäne – hebr.Bidud. Ein Leidenskapitel.

Bidud bedeutet; 14 Tage eingesperrt sein in der Wohnung. Isolation reduziert sich auf Zimmerarrest. Zwei negativ CRPTests beglücken dich zu „nur“ 12 Tage Bidud. Kein Problem? Dann erzähl ich dir folgende Geschichten die selbstverständlich wahr und alle aus erster Hand sind.

 

Kurzgeschichte Nr.1

Yahels Lehrerin wurde symptomlos positiv getestet. Entsprechend galten alle Schüler/innen ihrer Klasse als Verdachtsfälle. Es folgten 14 Tage Karantäne. Einen CRPTest ist optional, wird jedoch in Erwägung gezogen, um einen Bidud verkürzen zu können. Yahels Ergebnis; negativ. Bis wir jedoch das Resultat wussten, mussten wir sie in „Einzelhaft“ setzen. Keine Umarmung, keine Küsse, mit Maske wenn sie ausserhalb des Zimmers ist. Die Folge war schwerwiegend. Am Abend als sie in ihrem Bett lag, (der zweite Abend ihrer Isolation) strich Pascal ihr leicht über die Wangen. Sie war schon fast eingeschlafen und dies war sein „Gutnacht-Kuss“. Dass Mädchen schreckte hoch; „Abba, du darfst das nicht, ich bin doch in Karantäne.“ Ihre Reaktion ging uns durch Mark und Bein. Erst zwei Tage. Doch diese hatten es emotional in Sich. Unsere Kinder pflegen eine sehr herzliche und körperlich ausdrucksstarke Liebessprache. Häufige Umarmungen gehören zur Tagesordnung wie etwa Essen und Trinken. Mein Mädchen nun dem zu Entziehen und mit ansehen zu müssen wie schwer das ist für sie, hat mich innerlich sehr stark bewegt. Entsprechend haben wir unsere eigenen Regeln aufgestellt, wie wir mit dieser Isolationszeit umgehen. So habe ich mit Yahel die Wohnung nicht mehr verlassen. Und Küsse zwischen ihr und Geschwister waren zu unterlassen. Doch diese waren nicht so wichtig, wie Umarmungen.

 

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Nr.2 

Yahels beste Klassenfreundin war, wie alle anderen der Klasse, ebenfalls in Bidud. Ihre Mutter und ich sind befreundet. So telefonierten wir ab und zu. Am anderen Ende eine sehr bekümmerte Stimme. „Marianne, ich weiss nicht was ich tun soll. Meine Tochter ist sich gewohnt, dass wir uns zu ihr hinlegen wenn sie einschläft. Das können wir nicht. Sie weint seit einer halben Stunde ununterbrochen. Ich lese ihr vor der Zimmertür Geschichten vor. Aber sie ist kaum zu beruhigen.“ Die 7Jährige wurde positiv getestet, notabene ohne Symptome = Isolation. Dieses Kind verbrachte also den ganzen Tag in ihrem kleinen Zimmer. Ihre Mutter konnte es sich nicht leisten, die ganze Familie unter Isolation zu stellen. Der Vater arbeitet ausserhalb der eigenen vier Wände.

Vielleicht denkst du jetzt, komplett übertrieben? Nun, sobald eine Person positiv getestet wurde folgen diverse Anrufe. Es gibt unwahrscheinlich viele Fragen zu beantworten. inkl.Kontakt-tracing. Auch die Polizei ruft an. Immer wieder. Wie wir selber erlebt haben; zu unmöglichen Zeiten. Kontrolle ob du Zuhause bist. Eine Busse möchte und kann sich niemand mehr leisten. 

 

Nr.3

Wer denkt, es geht nicht dicker, doch es geht. Von drei Familien wissen wir, dass sie als gesamte Familie den Bidud abgesessen sind. Zugunsten der einen Person, die einfach zu Jung war, die Isolation alleine zu bewältigen. Was diese Familien noch verbindet ist die tragische Situation, dass alle Familienmitglieder beim 1.Test negativ ausgefallen sind. Nach 10 Tagen, ohne dazwischen die Wohnung zu verlassen, den 2.Test über sich ergehen liessen. Bei einigen Familien ist dies geglückt. Nicht aber bei diesen drei genannten Familien. Es galt weitere 14 Tage Isolation oder Karantäne einzuhalten, weil ein bis zwei Familienmitglieder plötzlich und ohne Symptome positiv getestet wurden.

(Dies war der Grund, warum wir uns gegen einen zweiten Test entschieden haben für Yahel. Somit war das Ende dieser 14 Tage gesichert.)

 

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Nr.4

In unserem Bekanntenkreis gibt es eine Familie, dessen Sohn hat ganze 1,5Monate „Einzelisolation“ hinter sich. Wie das auszuhalten ist? Ich weiss es nicht. Familien die, kaum haben sie einen Bidud beendet, folgt wegen einem anderen Familienmitglied ein weiterer Bidud. Und dies allles auf Verdachtsfälle beruhend. Krankheitsfälle wie wir sie aus der Schweiz zu hören bekamen, gibt es viel weniger. Inzwischen kennen wir sehr viele positiv Getesteten. Aber gerade mal ein oder zwei Personen, die tatsächlich krank geworden sind. (Damit will ich Covid in keiner Weise bagatellisieren.) Der Frust steigt. Gesund Zuhause zu sitzen für ????

Bidud in Jerusalem bedeutet; 

  • Abfall wird von einem Nachbar oder Freund entsorgt
  • kein Einkauf, dieser geschieht online, da aber während Lockdown fast alle online bestellen ist die Wartezeit…(ohne Worte)
  • oder Freunde gehen einkaufen
  • du verlässt die Wohnung nicht
  • Ist ein Hund vorhanden muss ein Freund, Nachbar mit diesem Gassi gehen
  • beschäftigst dich mit Überwachungen (wobei diese sehr unterschiedlich ausfallen, unsere Freunde im Tal hatten keine einzige Patroullie, während wir sie 2-3x die Woche hatten)
  • Besucher sind eigentlich nicht erlaubt, wir wurden aber mehrmals überrascht mit Freunden die vor der Tür standen. Viel Abstand, Maske, kurz und bündig, aber herrlich abwechslungsreich

Unser Bidud hat uns auf berührende Art und Weise gezeigt, wie sehr wir eingebettet sind von wohlwollenden Menschen um uns herum. Das nenne ich Gnade – oder unverdiente Gunst. 

 

Fondue zur Feier des Tages - Bidud geschafft

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1 Response
  1. Cornelia Aerni

    Diese Virus ist sehr tragisch,für jeden.

    :Schön das eucher Kinder, Geschwistern habt und ihr so eine intakte Familie sind.

    Ihr habt sicher auch gelesen wie die Tierbestand sich schon stark erhölt habt! Zb das 1/3 mehr Rinos in der Krugerpark S.Africa gibt und viel mehr Fischen. usw.

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