erlebt

Stod Yam Sonnenuntergang

Eine lange Geschichte. Wo starten? Am 27.04.21 gönnte ich mir, erstmals nach 7 Jahren, ein freies Wochenende für mich. Meine Cadureschet – Freunde und ich in „Stod Yam“, eine Sportanlage direkt am Meer. Anlass waren Freundschaftswettkämpfe auf Stufe „Eljon“. (oberste Liga) Am Freitag genossen wir gemeinsames Frühstück, kämpften siegreich unsere drei, vier Spiele und feierten am Abend fröhlich den Geburtstag eines Mitglieds von uns. Alles in Butter. Samstag morgen genoss ich den Sonnenaufgang am Meer, Frühstück, spielte die ersten beiden Spiele – und dann geschah es. Ich wurde ohnmächtig. Als Kind und Teenager war dies keine Seltenheit. Doch während ich in meiner Jugendzeit nach einer Ohnmacht aufstand, war soweit alles wieder gut. Nicht so an diesem Samstag. Ich kam nur schwer zurück auf die Beine. Diverse Spielgegnerinnen und natürlich die eigene Gruppe, kümmerte sich sehr herzlich um mich. Trotz flauem Magen wurde ich mit Süssem regelrecht gestopft, der Verdacht einer Unterzuckerung konnte an diesem Morgen also ausgeschlossen werden.

So verzichtete ich auf den Nachmittag am Strand und ging mit einer Freundin rechtzeitig nach Hause. Eine Woche lang  wandelte ich mit einem sturmen Kopf, nicht sicher auf den Beinen, stehts das Gefühl wieder in Ohnmacht zu fallen, durch die Gegend. Donnerstag endlich ein Arzttermin. Nach dem Arzt ging es direkt ins Terem, eine Art Notfallstation für Bagatellfälle. Das Terem zapfte Blut ab, machte ein EKG, rief die Ambulanz mit der ich abenteuerlich ins Spital gefahren wurde. Mit dabei meine liebe Freundin schweizerdeutsch sprechend, auch mit dabei mein Capten der Cadurreschet Gruppe. (Ich weiss bis heute nicht genau woher sie die Informationen hatte, wann ich wo bin.) Während ich die ganze Zeit kaum ansprechbar war, haben sie alle Dinge geregelt. Den Informationsfluss gegenüber Pascal aufrecht erhalten, Administration, sich für mich eingesetzt wenn Ärzte Verordnungen gaben und diese vom Pflegepersonal nicht umgesetzt wurden. So blieb ich über nacht zur Überwachung und wurde am nächsten Tag entlassen. „Selbstverständlich“ mit Fahrdienst, organisiert vom Freundeskreis.

Mein Transportmittel
Eine von unzähligen Liebesdiensten

Was wir als ganze Familie danach erlebten ist kaum in Worte zu fassen. Bis zum heutigen Tag wurden wir immer wieder mit Mahlzeiten versorgt, die Kinder wurden abgeholt für auf den Spielplatz inkl. Nachtessen.  Fahrdienste inkl. Begleitung vor Ort für Untersuchungen. Parkgebühren bezahlt. Wann immer irgend etwas war, so durfte ich einen Anruf starten, für uns wurde alles stehen und liegen gelassen und geholfen. Mit dabei Familien, mit denen wir bisher kaum Kontakt hatten oder uns ganz unbekannt waren. Alle haben sich bemüht, haben sich in jeder Hinsicht eingesetzt um uns zu unterstützen.  

 

Heute, dem 21.07.21 sitze ich am Computer, lasse mir die jüngste Vergangenheit nochmals durch den Kopf gehen und bin froh, jeweils am Morgen nicht zu wissen was der Tag bringt. Nicht die Zukunft zu kennen, den ansonsten würden wir wohl alle aufgeben. Hinter mir liegen zwei weitere Aufenthalte auf dem Notfall, letzterer ging mit 2,5 Tage in die Verlängerung auf der Station. Diagnose konnte bis heute keine gestellt werden. Die Symptome sind sehr vielseitig und diffus, schwer zu beschreiben. Depression war ein Verdacht, dazu stimmt meine Gemütslage nicht. Denn trotzt dieser schweren Zeit fühle ich weder eine innere Leere, habe keine Selbstzweifel und die Welt ist alles andere als Schwarz. Den Alltag kann ich noch immer nicht „normal“ bewältigen. Weil meine Symptome so schwer einzuschätzen sind und ich entsprechend nicht weiss, wie der Körper auf Veränderung der Umwelt (Licht, Lärm…) reagieren wird (Schwindel, Kraftlosigkeit ect.) bin ich sehr verunsichert beim Autofahren oder Einkaufen. Mein Mann, Held des Jahres, erledigt alles und arbeitet nebenher fast 100%  an den neuen Projekten der Firma.

 

Auf dem Notfall, keinen Untersuch oder Medikamentengabe ohne Strichcode
Das Leben geht weiter, Besuchstag Schule

Die Frage bleibt also wie weiter? Mit einem Touristenvisa (B1) bekomme ich einige Dienstleistungen von der Gesundheitsversicherung nicht bezahlt oder wir investieren in aufwändiges Kämpfen. Zudem ist das System hier insofern kompliziert, dass für jeden Untersuch einen extra Termin vereinbart werden muss. Die Praxen sind nicht mit Labor, Röntgen und oder Ultraschall ausgestattet. So können sich Abklärungen über Monate ziehen. Glück dem, der Termine unter 3 Wochen erhält. Mit Vitamin B wurde mir dieses Glück einige male zuteil. Doch als die Ärzte entschieden, ich soll mein Problem zu Hause auskurieren, sie wüssten nicht weiter, habe ich (zusammen mit meinem Mann) einen Entschluss gefasst. (Kopfschütteln erlaubt)

 

Denn es gibt noch diese eine tief verankerte Hoffnung; die Hoffnung auf den, der mich geschaffen hat. Nebst vielen Gebeten war die Bibel meine treueste Begleiterin in dieser Zeit. Darin fand ich Ermutigung, Zuflucht und die sichere Zusage, dass ich wieder Gesund werde. Nun halte ich mich täglich an diese Aussage; … und durch seine Striemen ist mir Heilung geworden. (Jesaja, 53, 5) 

Mein ganzer Körper ist „durcheinander“. Ich habe viel Gewicht verloren. Die körperlichen Symptome scheinen zu wandern, von oben nach unten – wieder retour. Ich glaube den Ärzten, dass sie Ratlos sind, es ist in Ordnung so. Es sind eben auch nur Menschen. Aber gerade deshalb weiss ich, wenn ich gesund bin, ist ein grosses Wunder geschehen. 

 

Bibel, Jesaja 53