Endlich Kindergarten

Wie einige von euch mitbekommen haben, sehnte sich Yahel seit knapp einem Jahr so sehr danach, endlich in den Kindergarten zu dürfen. Vergangenen Sonntag war es dann soweit. Mit Hilfe einer Übersetzerin durften wir unsere Kinder anmelden. Die israelischen „Misrat“ (staatlichen Büros) sind bekannt für ihren schlechten Service. Kurz angebunden, Freundlichkeit ist im Keller am verstauben, Geduld wartet in der Wüste auf ihren Einsatz, Studieren strengstens Verboten, jeder Klient hat viel Zeit – während die Dienstleistenden nie Zeit haben. Emotional gut vorbereitet und den Rucksack gefüllt mit viel Geduld und Zeit, besuchen wir also das „Misrat“ für den Kindergarten. Überraschenderweise war dies eine Begegnung mit zwei sehr freundlichen, zuvorkommenden, mitdenkenden, lustigen und hilfsbereiten Frauen, die ihre Arbeit nicht nur verstehen sondern auch zu lieben scheinen. 

Unseren Yinoni hätten wir schon x-fach zur Adoption frei geben können. Eine der beiden Damen bot sich an, unsere Kinder zu betreuen. Sie würde dafür sogar bezahlen. Ein Lachen von 4 Frauen füllt den Raum. Das ist wirklich eine aussergewöhnliche Begegnung. Effizient und fröhlich ging also diese Anmeldung über die Bühne. 

Am Dienstag um 20.30Uhr (richtig gelesen – am Abend) ruft mich unsere Freundin an, welche Übersetzungsdienst geleistet hat am Sonntag. Im Verlaufe des Tages hat sie vom Kindergarten-Büro die Telefonnummer erhalten, von einem „Gan jeladim“(kurz – Gan) ganz bei uns in der Nähe. (Ca.15Min.Fussmarsch mit Yaira). Netterweise telefonierte unsere Freundin mit den beiden Kindergärtnerinnen, beide sprechen kaum Englisch. Die zwei Frauen (Ronit und Claudine) freuen sich auf ihre zwei neuen Schützlinge. Morgenapell 08.00Uhr beim Gan, Start – Morgen (Mittwoch). Die Freundin versuchte zu intervenieren, dies sei wohl doch eher etwas spontan. Die prompte Antwort, nein, es sei doch erst 20.00Uhr. 

So krame ich also noch zusammen, was der Kühlschrank her gibt. Da sind klare Vorschriften, was dem Kind mitzugeben ist. Gemüse, Früchte und mind.1 Sandwich. Das Kindergartenpensum ab 3 Jahren ist wie folgt, Sonntag – Freitag (6Tage) von 08.00 – 14.00Uhr. Es gibt kein eigentliches Mittagessen. Daher ist es wichtig, den Kindern genügend mitzugeben. Weil es ein staatlicher Kindergarten ist, gibt es keinen Spielraum, das Pensum selbst zu bestimmen. Bei einem privaten „Gan“ ist das eher möglich. Den Goldesel haben wir Zuhause gelassen, darum passt ein solcher „Gan“ nicht in unser Budget. Schon gar nicht 2fach.

Mittwoch; 1.Tag im Gan. Yahel wurde herzlich empfangen von einer Kindergärtnerin, welche bereits 23 Jahren Berufserfahrung hat. Entsprechend viel Kinder sind ihr zur Betreuung anvertraut. (34 Stk.) Am ersten Tag geniesst Yahel Musikunterricht. Eine externe Person unterrichtet dies und spricht – trommelwirbel – Deutsch. Der perfekte Einstieg für unsere Perle. 

Für Yaron war alles einfach zu viel. Neue Kinder, neue Sprache, neue Lieder, neue Situation. So nett er seine Kindergärtnerin findet und es ihm grundsätzlich gefällt, er brauchte den Rockzipfel der Mutter. (Nein, ich trug Hosen) Seine „Ganet“ ist äusserst symphatisch. Sie verzeichnet ihr erstes Jahr in ihrem Beruf. Daher sind in Yarons Gruppe „nur“ 17 Kinder. 

Es ist erwähnenswert, dass all meine Vorstellungen übertroffen worden sind. Staatliche Gans sind eher unordentlich, klein, schlechte Hygiene, passiver Hütedienst… passen überhaupt nicht in das Bild eines Schweizer Kindergartens. Unsere Kids sind die glücklichsten überhaupt. Wir treffen einen sehr sauberen, liebevoll eingerichteten und warmen Gan an. Die Schweizer hätten es ausnahmsweise nicht besser gekonnt.